Oberliga-Finale: Indians vor dem Titel
Memmingen hat den Matchpuck: Deggendorf steht im Finale mit dem Rücken zur Wand
Zwei Drittel lang bleibt Spiel vier der Oberliga-Finalserie ohne Tor – dann entscheidet Memmingen innerhalb weniger Minuten die Partie. Die Indians gewinnen in der ausverkauften Alpha Cooling-Arena am Hühnerberg vor 3700 Zuschauern mit 4:1, führen in der Best-of-7-Serie nun 3:1 und haben damit drei Chancen, den vierten Sieg und den Titel perfekt zu machen.
Zwei aberkannte Tore halten die Partie lange offen
Die Ausgangslage war klar: Memmingen wollte die Kontrolle über die Serie ausbauen, Deggendorf unbedingt verhindern, in ein alles entscheidendes „Do-or-die“-Spiel zu rutschen. Entsprechend eng, diszipliniert und fehlerarm verläuft die Begegnung lange Zeit. Nach dem ersten Drittel steht es 0:0, nach dem zweiten ebenfalls – und bis dahin wirkt es wie ein Finale, in dem ein einziger Moment alles kippen kann.
Beide Teams haben zudem je einen Treffer, der die Arena kurz aufwallen lässt – und dann doch nicht zählt. In der 22. Minute wird ein Memminger Jubel durch die Videoprüfung gestoppt: Brett Ouderkirk fälscht den Puck mit hohem Stock ab, der Treffer wird aberkannt. Später trifft Deggendorf vermeintlich durch Julian Elsberger (36.), doch auch hier greift die Regelauslegung ein: Harrison Roy steht im Torraum von Indians-Goalie Justus Roth, das Tor zählt nicht. So bleibt das Spiel nach 40 Minuten torlos – mit der Folge, dass der Druck auf den nächsten Fehler, die nächste Unordnung, den nächsten Abpraller noch einmal wächst.
Brassard trifft zuerst – und Memmingen nutzt die Phase gnadenlos
Der entscheidende Bruch kommt im Schlussdrittel. In der 44. Minute setzt Felix Brassard den ersten Nadelstich: Er erobert in der Deggendorfer Zone den Puck gegen Petr Stloukal, zieht davon und trifft zum 1:0 ins kurze Eck – über die linke Schulter von Timo Pielmeier. In einem Spiel, das zuvor von Kontrolle und Vorsicht geprägt ist, wirkt dieses Tor wie das Signal für Memmingen, den Rhythmus endgültig an sich zu ziehen.
Was folgt, ist die Sequenz, die ein Finale häufig entscheidet: nicht nur ein Treffer, sondern ein zweiter, der dem Gegner den Moment zum Sortieren nimmt. Nur 134 Sekunden nach dem 1:0 fällt das 2:0. Niklas Heinzinger und Jaroslav Hafenrichter geraten in der Rückwärtsbewegung aneinander und stürzen, Memmingen schaltet schnell: Edgars Homjakovs legt quer auf Markus Lillich, der vollendet. Aus einem knappen Spiel wird binnen kurzer Zeit eine Aufgabe, bei der Deggendorf plötzlich jagen muss – und Memmingen Räume und Spielzeit in die eigenen Hände bekommt.
Auch die Trainer ordnen die entscheidende Phase entsprechend ein. Deggendorfs Coach Casey Fratkin sagt, er habe im dritten Drittel „viel bessere Memminger“ gesehen. Indians-Trainer Daniel Huhn betont: „Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht, in den ersten 40 Minuten war nur die Chancenverwertung nicht so gut, das 1:0 von Felix war dann der Dosenöffner.“
Deggendorf verkürzt – doch Memmingen antwortet sofort
Trotz des Doppelschlags ist das Spiel nicht sofort entschieden. Deggendorf findet noch einmal einen Weg zurück: In der 54. Minute lenkt Petr Stloukal einen Schuss von Jan Bednar zum 1:2 ab. Für einen Moment ist die Partie wieder offen, das Szenario einer späten Wende steht im Raum.
Doch Memmingen reagiert so, wie es Teams in Titelspielen tun müssen: schnell und ohne Umwege. In der 55. Minute stellt Brett Ouderkirk den Zwei-Tore-Abstand wieder her – und nimmt Deggendorfs Schlussoffensive den entscheidenden Schwung. Den Schlusspunkt setzt Milan Pfalzer in der 57. Minute mit einem Empty-Net-Goal zum 4:1.
Matchpuck für Memmingen – Deggendorf muss liefern
Mit dem dritten Sieg in der Serie steht Memmingen nun vor dem entscheidenden Schritt: Ein weiterer Erfolg reicht zum Titel, drei Anläufe haben die Indians noch. Für Deggendorf ist die Ausgangslage dagegen maximal zugespitzt: Am Dienstag muss der DSC im eigenen Stadion das Aus abwenden. Nur mit einem Heimsieg gäbe es ein sechstes Finalspiel am Freitag um 18 Uhr in Memmingen; mit einem weiteren Deggendorfer Erfolg im Allgäu würde eine siebte Partie am Sonntag um 18 Uhr in Deggendorf folgen.
Der Serienverlauf unterstreicht, warum Memmingen jetzt in der Pole Position steht: In dieser Saison haben die Indians sechs von acht direkten Duellen mit dem DSC gewonnen. Fratkin hält dennoch dagegen – und verweist auf das, was Playoffs ausmacht: „Die Serie ist noch nicht fertig.“

